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15 / 7 / 2022

Georg Schmidt

Neue Blicke auf einen Nürnberger Künstler

Die Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg zeigen im Stadtmuseum im Fembo-Haus vom 15. Juli bis 16. Oktober 2022 die partizipative Ausstellung „Remixing Schmidt. Neue Blicke auf Nürnberg“.

Aquarelle des Malers Georg Schmidt (1847-1922) und Fotografien seines Bruders, des bekannten Nürnberger Fotografen Ferdinand Schmidt (1840-1909), sind dabei Anstoß für heutige Nürnbergerinnen und Nürnberger, sich multimedial mit ihrer Stadt auseinanderzusetzen.

Ausstellung zum 100. Todestag von Georg Schmidt

Mit dieser Ausstellung möchten die Städtischen Kunstsammlungen einen Teil ihres neu erworbenen, bisher noch nie gezeigten „Schatzes“ präsentieren. Dabei handelt es sich um den künstlerischen Nachlass Georg Schmidts, nahezu 2500 Aquarelle und Zeichnungen des bisher kaum bekannten Künstlers, darüber hinaus noch weitere Dokumente und Fotografien. Einen zweiten Grund bietet der Todestag Georg Schmidts, der sich in diesem Jahr, am 3. Oktober 2022, zum hundertsten Mal jährt.

Georg Schmidt hat den größten Teil seiner Werke mit handschriftlichen Anmerkungen versehen, die wir hier auch als Bildunterschriften verwenden.

Nachlass umfasst rund 2500 Kunstwerke, dazu Schriftstücke und Fotografien

Der umfangreiche Nachlass gelangte 2017 als Geschenk von Verwandten Schmidts in den städtischen Kunstbesitz. Die Arbeiten des Künstlers – überwiegend Aquarelle – zeigen zu über 95 Prozent Ansichten der Nürnberger Altstadt. Im Rahmen einer umfassenden Inventarisierungsmaßnahme wurden die dargestellten Örtlichkeiten seither durch den Kunsthistoriker Johannes Maußner identifiziert. Darüber berichtet er in einem eigenen Blogbeitrag:
Vom Suchen und Finden. Auf den Spuren von Georg Schmidt durch das alte Nürnberg

Bisher war Georg Schmidt wenig bekannt

Über Georg Schmidt war bislang nicht viel bekannt, selbst das Nürnberger Künstlerlexikon äußert sich vage: „Vielleicht identisch mit Georg Schmidt, der laut Dammer um 1888 Tiergruppen für kunstgewerbliche Zwecke modellierte.“  Der Nachlass des Künstlers bietet zahlreiche Informationen zu seiner Person und ermöglicht somit auch die Klärung derart vager Angaben. Er umfasst neben Briefen und Tagebüchern auch Fotografien seiner bildhauerischen Arbeiten. Zahlreiche Entwürfe und Zeichnungen geben Einblick in das facettenreiche Werk des Georg Schmidt. Während sich die Ausstellung „Remixing Schmidt. Neue Blicke auf Nürnberg“ hauptsächlich seinen Aquarellen widmet, möchte dieser Blogbeitrag „neue Blicke“ auf weitere Seiten Georg Schmidts eröffnen.

„Aschenbrödel, Skizze von Gg. Schmidt. War damals circa 17 Jahre alt, noch in der Kunstschule hier (Nürnberg).“

Zunächst aber zum Künstler selbst. Johann Georg Theodor Schmidt wurde am 17. Januar 1847 als drittes Kind der Malerin und Lithografin Sophie Knauscher und deren Ehemann, dem Maler und Fotografen Georg Schmidt, geboren. Im Elternhaus, dem Eckhaus Burgstraße 26, wuchs Georg mit seinen Geschwistern Ferdinand, dem späteren Fotografen, sowie den Schwestern Susanna, Madelone und Malwine auf. Über die Kindheit Georgs ist wenig bekannt, jedoch verließ der dreizehnjährige, wie sein Zeugnis verrät, „fleißige und sehr gesittete Schüler“ 1860 freiwillig die erste Klasse der Lateinschule, da seine Begabung „mehr nach der künstlerischen als nach der sprachlichen Seite angelegt“ zu sein schien.

„Südlicher Flügelbau des Polytechnikums, München. Obiger Dreifuß von mir ausgeführt“ Fotografie von G. Böttger.

Beginn der Künstlerlaufbahn als Bildhauer

1863 assistierte Georg dem Vater beim Fotografieren, parallel erhielt er an der Nürnberger Kunstgewerbeschule Unterricht im Zeichnen und Modellieren und verdingte sich zudem als Schnitzer. Vermutlich ist seine Entscheidung, Bildhauer zu werden, darauf zurückzuführen. Zwischen 1867 und 1870 hielt er sich in München auf, wo er unter Gottfried Neureuther (1811–1887) plastische Entwürfe für den Bauschmuck des dortigen Polytechnikums lieferte. In jener Zeit knüpfte Georg Schmidt auch Kontakte zu anderen Künstlern, wie etwa dem Maler Wilhelm Leibl (1844–1900), der ihn zusammen mit dem Maler Lothar Meggendorfer (1847-1925) in einem Gemälde porträtierte und dessen weiterem Freundeskreis er angehörte.

Als Bildhauer war Schmidt 1874 unter Johannes Schilling (1828–1910) am Bau des Niederwald-Denkmals bei Rüdesheim am Rhein beteiligt. Zwei Jahre später, 1876, entwarf er figürlichen Schmuck für den Neubau der Münchner Akademie. Die Figuren seines Gurtbogenreliefs sind hie und da sichtlich vom Nürnberger Sebaldusgrab inspiriert.

„Höhe 0,80 / Gg. Schmidt im Winter 1877 ausgeführt// Fragment ( Eckstück) des Frieses unter das Hauptgesims des zweiten Stockes für die neue Akademie in München modelliert.“

Einem anderen Thema widmet sich sein Fries „Bauerntanz“, den der Keramikhersteller Villeroy & Boch in Mettlach 1890 als Dekor für Weinkrüge und Bowlengefäße ankaufte.

„Entwurf für Villeroy & Boch, Mettlach“

Kunstgewerbliche Objekte entwarf Schmidt auch für die Nürnberger Keramikmanufaktur Johann von Schwarz, eine Fotografie zeigt einen Untersatz für eine Vase, die er für diesen Auftraggeber modellierte.

„Untersatz für eine Vase für Fabrik von Herrn v. Schwarz hier“

Maler und Zeichner von Tier- und Pflanzenwelt

Ab Ende der 1880er Jahre verlegte sich der Künstler hauptsächlich aufs Malen und Zeichnen. 1887 zeichnete und lithographierte er anatomische und zoologische Motive am Zoologischen Institut in Erlangen. Wie seine häufigen Naturstudien belegen, haben ihn die Tier- und Pflanzenwelt besonders fasziniert. Auf einem „nach Natur“ bezeichneten Studienblatt findet sich neben verschiedenen Darstellungen auch die Figur eines Bären, der mit einer Pranke nach oben greift. Das gleiche Motiv, ergänzt durch ein Bärenjunges, findet sich als Relief auf einer Fotografie, die Georg Schmidt mit „Tellerfüllung“ betitelte, offensichtlich als Dekor für einen Wandteller. Dies belegt, dass der Künstler tatsächlich zumindest eine Tiergruppe für einen kunstgewerblichen Zweck modelliert hat, was die eingangs zitierte, im Nürnberger Künstlerlexikon vorsichtig geäußerte Vermutung bestätigt.

Gerne verwendet Georg Schmidt auch Tiermotive zur Illustration humoristischer Gedichte, die er teilweise selbst verfasste, so etwa seine Verse „Froschturnen“ aus dem Jahr 1903.

Zeitungsausschnitt aus: Jugendlust, Illustrierte Wochenschrift, Nr. 31, XXIX Jg., 5. Mai 1904.

Tiere in menschlichem Habitus haben ihn aber wohl auch über das humoristische Genre hinaus begeistert, so orientiert sich „Der schlafende Riese“ sichtlich an Gullivers Reisen und auch die Darstellung einer Mäusefamilie verfolgt eher anrührende als lustige Motive.

„Schlafender Riese“

Familie Maus, Tuschfederzeichnung.

Zu Karikaturen inspirierten den Künstler auch Pflanzen, wie nicht nur „Familie Pilz“ belegt. Interessanter jedoch ist seine „Zwiderwurzen“ (altbayrisch für eine grantig-unangenehme Person), die ein wenig an die Selbstporträts des oft etwas mürrisch wirkenden Künstlers erinnert. Ob er sich augenzwinkernd wohl wirklich selbst damit skizziert hat, bleibt allerdings offen.

„Familie Pilz nach der Natur. Eine zahlreiche Familie“

„Die Zwiderwurzen“

Die Nürnberger Altstadt in Aquarellen

Auf den Rat des Nürnberger Malers Ludwig Kühn (1859–1936) hin begann Schmidt um 1903, in Aquarelltechnik zu malen. Sein bevorzugtes Motiv war dabei die Nürnberger Altstadt, insbesondere Burg und Stadtmauer. Obwohl seine impressionistischen Aquarelle großen Anklang fanden und selbst von Sammlern weit außerhalb Nürnbergs gekauft wurden, verhalf Georg Schmidt dieser Erfolg nicht mehr zu Wohlstand. Bis zu seinem Tod lebte er als Untermieter in sehr bescheiden Verhältnissen und an wechselnden Adressen.

Stillleben und Selbstportraits in den letzten Lebensjahren

1918 zwang ihn eine Herzerkrankung zu einem längeren Krankenhausaufenthalt, von der er sich nicht wieder erholte. Aus der Folgezeit stammt eine Reihe an Stillleben und Selbstporträts, die Stoff für einen weiteren Blogbeitrag bieten. Infolge eines Herzinfarkts verstarb Georg Schmidt am 3. Oktober 1922.

Das als Titelbild gewählte, vermutlich letzte fotografische Porträt des Künstlers zeigt den alten Mann mit ergrauter Mähne, langem Bart und in sich gekehrtem Blick, die rechte Hand auf ein antikisierendes Relief gestützt. Es scheint bezeichnend, dass er, der sein ganzes Leben zwischen künstlerischen Disziplinen wechselte und obwohl er sich in seinen späten Jahren vorrangig als Maler betätigte, sich zuletzt als Bildhauer ablichten ließ.

Angesichts seines umfangreichen Werks an Aquarellen wollte er von der Nachwelt wohl auf kein Fach festgelegt werden, sondern als der facettenreiche Künstler in Erinnerung bleiben, als den ihn sein Nachlass ausweist.

Informationen zur Ausstellung „Remixing Schmidt. Neue Blicke auf Nürnberg“


Alle Bilder stammen aus dem Nachlass von Georg Schmidt, der sich in den Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg befindet.

 

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