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25 / 11 / 2020

Kunstschätze für die ganze Welt

Nürnberger Museen bestücken Internet-Ausstellungen bei Google Arts & Culture

Es ist ein uralter Traum von Kunstliebhabern: Freier Zugang zu Kunstwerken und Museen in aller Welt. Google Arts & Culture verwirklicht ihn. Auch die Museen der Stadt Nürnberg zeigen hier via Internet ihre Schätze. Wie das funktioniert? Erklärt Brigitte List.

Nürnberger Tand geht durch alle Land, so hieß es früher. Heute bringt Google Arts & Culture, die vielleicht bekannteste unter den Plattformen für Kunst, einmalige Kunstwerke und besondere Ausstellungen aus Nürnberg in die ganze Welt. Vor wenigen Wochen etwa hat das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände zwei Ausstellungen hochgeladen, gerade wurde eine Ausstellung über den Maler und Architekten Friedrich Neubauer veröffentlicht. „Ein wahnsinnig interessanter Mensch, der mit Bleistift und Kuli gezeichnet hat, der Aquarelle, Holzschnitte und 3D-Modelle gefertigt hat“, sagt Brigitte List, die den Kontakt zu Google hält. „Der wusste nicht, wohin mit seiner Energie.“ Neubauer, Jahrgang 1912, dokumentierte auch den Wiederaufbau Nürnbergs. Er ist noch wenig bekannt, kommt aber bald zu mehr internationaler Beachtung – dafür möchten die Museen sorgen.

Das Leben kehrt zurück. Friedrich Neubauer – Chronist des Nürnberger Wiederaufbaus

2016 die ersten Schaustücke hochgeladen

Begonnen hat alles 2011, da ging die Plattform online. Die Museen der Stadt Nürnberg beteiligen sich seit 2015 – nachdem Google-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter bei einem Besuch in Nürnberg über die Möglichkeiten der Zusammenarbeit informiert hatten. Im Januar 2016 stand die erste Ausstellung im Netz. Der Museumsverbund der städtischen Museen präsentierte die schönsten „Schaustücke“ in Text und Bild. Inzwischen müsste die Ausstellung dringend überarbeitet werden. Das war noch recht einfach gestrickt.

Ständig entwickelt sich die Plattform weiter. Inzwischen kann das geneigte Publikum beispielsweise den Raumanzug von Neil Armstrong in 3D und Augmented Reality betrachten, atemberaubende Plätze im Yosemite Nationalpark virtuell besuchen oder ausprobieren, wie man selbst mit einem altägyptischen Geschmeide aussieht. Mehr als sechs Millionen Objekte aus über 2000 Museen auf der ganzen Welt sind vertreten…

Pionier der Stadtansichten. Ein Rundgang durch Nürnberg auf den Spuren von Johann Andreas Graff – Teil 1: Die Sebalder Altstadt

Und aus Nürnberg? Gehören beispielsweise Ausstellungen zur Motorradindustrie, über den Maler Johann Andreas Graff – der als Gatte von Maria Sybilla Merian vielleicht noch bekannter ist als mit seinen unverkennbaren Stadtansichten Nürnbergs – oder die Kartenspiele aus dem Verlag J.W. Spear & Söhne dazu.

Standards für das Erstellen von Online-Ausstellungen

Für jedes Objekt auf der Plattform sollten dabei sogenannte Metadaten vorbereitet werden: Dazu zählen Künstlername und Titel, Entstehungszeit und -ort sowie zugrundeliegende Technik und Maße und natürlich korrekte Bildnachweise. Außerdem braucht ein jedes einen – relativ kurzen – Beschreibungstext. Dann können Objekte für eine Online-Ausstellung zusammengestellt werden. Im Idealfall erzählt diese entlang der Abfolge der Kunstwerke eine Geschichte. Und damit die Ausstellung auch international Beachtung findet, sind Texte auf Englisch ebenfalls hilfreich.

Der Grüne Elefant. Die Geschichte des legendären Zündapp-Geländegespanns

Die Themen entwickeln die Nürnberger. Inspiration können dafür besondere Ausstellungen geben, die in den Museen der Stadt präsentiert werden, oder thematische Schwerpunkte, die das Google Arts & Culture-Team vorschlägt.

Am Anfang steht immer die Frage: „Können wir das leisten? Haben wir genügend Material?“
Zum einen müssen Kuratoren die Inhalte sammeln und ordnen, zum anderen müssen auch die Fotos bestimmte Kriterien erfüllen.

Reichskleinodien, Teddys und Drechslerwerke: Museen-Vielfalt an einem virtuellen Ort

Ein Museumsverbund bearbeitet naturgemäß sehr unterschiedliche Themen. Virtuell ist es möglich, sie an einem Ort – dem Internet – zu präsentieren. Ausstellungsthemen der nächsten Zeit werden die Reichskleinodien im Stadtmuseum und die Teddybärensammlung des Spielzeugmuseums sein sowie die faszinierenden Objekte des Kunstdrechslers Johann Engelhardt Hermann Saueracker, der um die Jahrhundertwende arbeitete und als „Halbgott“ seiner Zunft gilt.
Die Suche nach dem Schönen!: Ein Blogbeitrag über Johann Engelhardt Hermann Saueracker

Auch sind einzelne Museen inzwischen digital besuchbar: 2018 reiste ein Fotograf von Google Arts & Culture an, um wie bei Street View 360 Grad-Aufnahmen der Räume im Dokumentationszentrum und Museum Industriekultur zu machen. Seitdem können Besucher auch virtuell durch diese Häuser spazieren.

Ein virtueller Rundgang durch das Dokumentationszentrum

Das Fazit aus Nürnberg: Google Arts & Culture ist ein wunderbares Instrument für Museen, sich jenseits der eigenen Webseiten weltweit bekannt zu machen – und ein Paradies für Kunstinteressierte. Brigitte List nennt ihr Lieblingsbeispiel: „Für das Kulturgeschichte-Museum in Georgien ist es eine Wahnsinns-Chance zu zeigen, uns gibt es! Und jeder in der Welt mit einem Internetanschluss kann sich dort umschauen.“
Art Palace of Georgia – Museum of Cultural History


Diese Häuser der städtischen Museen sind derzeit bei Google Arts & Culture vertreten:
Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände
Deutsches Spielearchiv
Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg
Museum Industriekultur

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