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7 / 7 / 2017

Der Oldtimer aus der Autostadt Nürnberg

Der Zündapp Janus wird 60 und feiert mit einem Jubiläumstreffen

Er ist ein kurioses Auto, dieser Zündapp-Janus: Fahrer und Mitfahrer sitzen Rücken an Rücken, die Türen schwenken nach vorn und hinten aus, und der 14 PS starke Motor befindet sich zwischen den Sitzbänken. Die übrigens zu einer großen Liegefläche zusammengeklappt werden können. Eine rechte Knutschkugel, wenn man das so respektlos sagen darf.

Im Museum Industriekultur trafen sich am ersten Juli-Wochenende rund 30 Fahrzeuge und ihre Besitzer, um den 60. Geburtstag des Janus zu feiern. Von Mitte 1957 bis Anfang 1959 wurden von den Zündapp-Motorenwerken in Nürnberg 6900 der kleinen Autos gebaut: Die Menschen, die nach dem Krieg Motorrad gefahren waren, sehnten sich nach einem Auto. Allerdings war der Motor, ein ganz normaler Motorradmotor, trotz 80 Stundenkilometern Höchstgeschwindigkeit bald als zu schwach. Wer sind die Menschen, die heute ihr Herz an den Janus verlieren? Sechs Kurzporträts huldigen dem Oldtimer.

Auch eine Ausfahrt nach Forchheim stand auf dem Programm des Jubiläumstreffens. Foto: Matthias Murko

Die Dosen tanzten hinterm Hochzeitsauto

Auf einem Oldtimer-Treffen haben sich Marion und Robert Reichenbach kennengelernt. Klar, dass sie 1990 in einem Zündapp-Janus zum Standesamt gefahren sind. Ein Freund fuhr, die frisch Getrauten saßen mit Blick nach hinten. „Wir haben die Dosen tanzen sehen“, sagt Marion Reichenbach. Das Auto – einer von zwei Janus, die noch am Produktionsstandort zugelassen sind – hatte sich Robert Reichenbach vor knapp 40 Jahren zusammen mit einem Freund gekauft. Für den gebürtigen Nürnberger Ehrensache, noch dazu haben er und der Janus das gleiche Baujahr 1958. Die Reichenbachs wohnen inzwischen an der Nordsee, fahren aber gelegentlich bei Besuchen in der Heimat oder holen das Auto wie im vergangenen Jahr zur Reparatur auch zu sich. „Man sitzt bequem und kann aufrecht aussteigen“, sagt Marion Reichenbach. Aber der 14 PS-Motor ist laut, und über die Knautschzone „da darf man gar nicht drüber nachdenken“.

Marion und Robert Reichenbach. Foto: Gabriele Koenig

Ein Spruch wie ein Großer

Über ihre vier Zündapp-Motorräder und legendären „Bella“-Roller sind Arnd und Brigitte Haberl zum Janus gekommen. „Irgendwann will man was anderes auch“, sagen die beiden Österreicher, die aus Puchenau bei Linz nach Nürnberg gekommen sind. Vor sechs Jahren haben sie den beige-orangefarbenen Janus gekauft und schon so einiges erlebt. In Salzburg etwa fiel einmal der Auspuff ab, bei strömendem Regen montierte Arnd Haberl das defekte Teil ab und erinnert sich, dass der Janus bei der Fahrt „einen Spruch hatte wie ein großer“. Also ziemlich laut war. Und als er ihn im vergangenen Jahr aus dem Winterquartier holte, war – natürlich – die Batterie ziemlich flau. Das schnittige Gefährt blieb am Berg stehen und Fahrer Haberl wendete, ließ es bergab rollen und brachte die Lichtmaschine wieder auf Trab. Dreimal musste er das Manöver wiederholen und jedes Mal winkten zwei junge Frauen, an denen er vorbeifuhr, ihm lachend zu.

Arnd und Brigitte Haberl. Foto: Gabriele Koenig

Zitterpartie zwischen Lachen und Weinen

Klassische Bildung kann nicht schaden. Janus war der römische Gott des Anfangs und des Endes und wie der Gott hat auch das Auto zwei Gesichter: „Manchmal lacht man, manchmal weint man“, sagt Walter Heß aus Buchlohe. Der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Zündapp-Janus erinnert sich an eine Zitterpartie, die er auf der Heimfahrt von einem Oldtimer-Treffen in Lauf erlebte. Das Auto zog nicht und zuckelte nur, womöglich zu wenig Benzin. Als Heß dann manuell von Reserve auf den normalen Tank zurückschaltete, fuhr der Janus plötzlich „wie ein Rallye-Fahrzeug“. Zuhause macht er kleinere Ausfahrten („Aber nicht, wenn’s regnet: Kann immer sein, dass ein Gummi nicht ganz dicht ist“). Seit sein Sohn mit eingestiegen ist, wird der Janus häufiger bewegt: „Die jungen Leute haben Interesse am skurrilen Fahrzeug.“

Walter Heß, der Vorsitzende der Interessengemeinschaft Zündapp-Janus. Foto: Gabriele Koenig

Geteilte Freude ist doppelte Freude

Dass die „Janus-Leute ganz normale Menschen“ sind, gefällt Dominikus Weiß am besten. Wo neue Autos nach der Devise höher, schneller, weiter gebaut werden oder in Sportwagen-Oldtimern Angeber sitzen, da bescheidet sich der Janus. „Wenn so ein kleines Auto vorbeifährt, freuen sich die Zuschauer. Und ich habe selbst Freude daran, wenn sich andere freuen.“ Vor einem Jahr erst hat der Oberbayer aus Polling bei Weilheim das Auto in der Scheune seines verstorbenen Vaters gefunden – oder vielmehr zwei Janus, die seit mindestens 25 Jahren dort rosteten. Aus den beiden ist nun ein Auto geworden, sehr fein restauriert. Die Pedale hat der Restaurator so weit nach vorn gesetzt wie möglich, die Heben für Scheibenwischer und Blinker gekürzt – damit Dominikus Weiß, der 1,98 Meter misst, gut in das kleine Auto passt. Beim Treffen in Nürnberg fährt er seinen Janus übrigens erst zum vierten Mal und muss sich an die Schaltung erst gewöhnen. Beifahrer Franz hat ein Auge auf die Route und bedient den Blinker, der nicht nur ein- sondern auch ausgeschaltet werden muss.

Dominikus Weiß mit Beifahrer Franz. Foto: Gabriele Koenig

Vom Obst-Transporter zur Enkelkutsche

Aus drei mach eins! Gleich drei Janus haben die Christmanns Mitte der 1970er Jahre einem Einzelhändler im Nachbarort abgekauft. Der hatte die Rückbank ausgebaut und nutzte das geräumige Auto, um Obst und Gemüse vom Großmarkt holen. Kam der jeweils aktuelle Janus in die Jahre, kaufte er den nächsten. „Alle waren an denselben Stellen durchgerostet“, erinnert sich Heinz Christmann. Und seine Frau Wilma findet das Fahren nicht mehr sehr bequem, „zu laut, nicht gefedert – der Janus ist ein Fortbewegungsmittel, kein Luxus“. Nur ab und an fahren die Christmanns, die in Bad Kreuznach leben, deshalb noch mit „dem Autochen“. Das Janus-Treffen in Nürnberg stand für sie aber an erster Stelle. Ihre Enkel Greta und Frieder, die beim Fahren einen blauen Gehörschutz aufsetzen müssen, durften sogar den letzten Schultag in Rheinland-Pfalz schwänzen um dabei zu sein.

Heinz und Wilma Christmann mit ihren Enkeln. Foto: Gabriele Koenig

Weitere Infos zum Zündapp Janus

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