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15 / 1 / 2016

Tatort Museum: Der Berater

„Heutzutage bin ich Zündapp für Nürnberg“, sagt Günter Sengfelder und übertreibt dabei nicht einmal. Sieben Mal war er Deutscher Trial-Meister mit Zündapp-Maschinen, vier Mal hat er Goldmedaillen bei der Internationalen Sechs-Tage-Fahrt geholt und zweimal den Novemberkasan – eine Geländefahrt bei Nacht – in Schweden durchgestanden. Unter anderem. Denn er war auch Meister in der Versuchswerkstatt bei Zündapp und wurde dann zum wichtigsten Berater beim Aufbau der Motorradabteilung im Museum Industriekultur.

„In der Aufbauphase war ich viel mehr gefragt“, sagt Günter Sengfelder. Franz Sonneberger, der ihn ans Museum holte, brauchte den Rat des Experten. Sein Nachfolger Matthias Murko aber sei ein „sehr gelehriger Schüler“ gewesen: „Er hat sich sehr reingekniet.“ Und obwohl der Museumsleiter selbst zum Fachmann gewachsen ist, beruhigt ihn, dass er Günter Sengfelder bei Fragen jederzeit anrufen kann.

Im Museum ist der 78-Jährige inzwischen seltener anzutreffen: „Ich mache Führungen nur noch, wenn beispielsweise Motorrad-Clubs kommen und ich als Experte gefragt bin.“ Eine lange Lebensgeschichte steht dafür: Als Günter Sengfelder 1952 aus der Schule kam, wollte er zu Zündapp. Doch um genommen zu werden, musste er eine Ausbildung im KFZ-Beruf vorweisen – und hatte gerade ausgelernt, als Ende der 1950er Jahre der Niedergang der Motorradindustrie begann.

„Meine ganz große Chance war, dass Zündapp in München kleine Hubräume baute und dafür kleine, leichte Fahrer brauchte“, erinnert sich Günter Sengfelder. Schon Mitte der 1950er Jahre war er Wettwerbe mit Zündapp-Maschinen gefahren, als Sportfahrer und Techniker ging er 1961 für die Firma nach München und kehrte 1966 als Meister in die Vorentwicklung zurück, die in der Versuchswerkstatt in der Fürther Straße in Nürnberg angesiedelt war.

Er fuhr weiter Geländewettbewerbe und holte Titel, aber er stand auch für Werbeprospekte Modell und reiste als Zündapp-Betreuer durch die Welt. England, Canada, USA … Einige Patente tragen seinen Namen. Neben vielen guten Erinnerungen gibt es auch eine schmerzliche: Bei der Überführung einer Maschine, die Zündapp der Bundeswehr vorstellen sollte, von München über Nürnberg bis in den Schwarzwald, erfror er sich im bitterkalten Januar die Nase.

Günter Sengfelder mit einem Zündapp Janus, über den er natürlich auch viele Geschichten weiß.

Günter Sengfelder mit einem Zündapp Janus, über den er natürlich auch viele Geschichten weiß.

25 Jahre lang waren Motorräder sein Beruf und die Radaufhängung sein Spezialgebiet. Nach dem Konkurs eines der letzten deutschen Motorrad-Hersteller 1984 wechselte Günter Sengfelder als Sportkommissar und technischer Kommissar zum ADAC. Eine Aufgabe, die er lange Jahre ehrenamtlich innehatte. So wie er auch das Museum Industriekultur und das Deutsche Technikmuseum in Berlin beriet, wo Werksarchiv und Firmenmuseum untergekommen waren. „Ich hatte hin und wieder Maschinen zerlegt und fehlende Teile beschafft“, sagt er bescheiden. Wie viele Stunden? „Das kann man nicht messen“, sagt Günter Sengfelder.

Daneben hat er eine zweite Leidenschaft entwickelt: die Luftfahrt. Er engagiert sich auch hier für Veteranen, ist als Experte sogar in den USA gefragt und hat Bücher zum Thema veröffentlicht. Ist das nicht alles viel spannender als die Motorräder im Museum Industriekultur? Günter Sengfelder schüttelt den Kopf. Das könne man nicht vergleichen. „Meine persönliche Technikgeschichte ist hier zu sehen“, sagt er. Als Leihgaben hat er sein erstes Motorrad von 1955, eine Zündapp 200 S, zur Verfügung gestellt. Auch einen Elektroroller aus dem Jahr 1974, der in der Vorentwicklung gebaut, aber nie produziert wurde, und sein letztes Werksmotorrad. Natürlich eine Geländemaschine. Wenn Günter Sengfelder daran vorbeigeht, erfüllt ihn Stolz: „Das habe ich gemacht, daran war ich beteiligt.“

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