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21 / 7 / 2021

Hopfenhandel – Kaufmänner und Kriege

Das Geschäft mit dem Hopfen durch die Jahrhunderte

Bis heute ist Nürnberg die unangefochtene Nummer eins, wenn es um den Handel mit Hopfen geht. In seiner dreiteiligen Reihe erzählt Ralf Arnold, wie sich die Frankenmetropole zum wichtigsten Zentrum des weltweiten Hopfenhandels entwickeln konnte. Hier, im dritten und letzten Teil erfahren Sie, welche Kaufleute den Nürnberger Hopfenmarkt zur Blüte brachten.

Vor allem jüdische Kaufleute widmeten sich dem Hopfenhandel wie auch damit verbundenen Geldgeschäften. So ging beispielsweise das angesehene Bankhaus Cohn aus dem Hopfenhandel hervor und ein Zweig der Familie Bing, die im Hopfenhandel sehr erfolgreich war, investierte danach in die Fabrikation von Haushaltswaren und Blechspielzeug.

Überregionale Bekanntheit erlangten auch andere Hopfenhändler jüdischen Glaubens wie zum Beispiel der in Thalmässing (Landkreis Roth) geborene Josef Schülein (1854-1938), ab 1885 auch Besitzer des Münchner Unionsbräu (später Löwenbräu), die Brüder Wilhelm (1843-1928) und Ludwig Gerngroß (1839-1916) – spätere Ehrenbürger ihrer Heimatstadt Nürnberg – oder die Bamberger Familie Lessing, die neben einem umfangreichen Hopfenhandel seit 1885 auch die erste Großbrauerei Bambergs, Frankenbräu (später Hofbräu AG Bamberg), betrieb. Nicht vergessen werden darf in dieser Aufzählung auch Emil Hopf, der unter anderem das Mittelfränkische Blindenheim stiftete und sich eine Villa baute, in der die heutige „Kunstvilla“ untergebracht ist.

Im Jahr 1910 war Ludwig von Gerngroß in der Festschrift zur Einweihung des Künstlerhauses als Stifter abgebildet. Bildnachweis: Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg

Der bekannteste jüdische Hopfenhändler war sicherlich der Kaufmann und Mäzen Ludwig Gerngroß, der unter anderem die Kopie des Neptun-Brunnens stiftete. Das Original war im 17. Jahrhundert in Nürnberg gegossen, aber aus Geldmangel nie aufgestellt worden. 1797 wurde der Brunnen an den russischen Zaren verkauft und in der Nähe von St. Petersburg aufgestellt. Am 22. Oktober 1902 wurde die Kopie des Neptunbrunnens auf dem Hauptmarkt enthüllt. Halb Nürnberg versammelte sich, um dabei zu sein. Ludwig Gerngroß, der schon 1901 zum Ehrenbürger der Stadt Nürnberg ernannt worden war, wurde in den persönlichen Ritterstand geadelt und durfte sich seitdem Ritter von Gerngroß nennen. Der von ihm gestiftete Brunnen wurde später mehrfach versetzt und findet sich heute im Nürnberger Stadtpark. Aber das ist eine ganz andere Geschichte.
Mehr darüber können Sie bei einer Führung am 8. August 2021 im Stadtmuseum im Fembo-Haus erfahren
Die Aufstellung des Neptunbrunnens auf dem Hauptmarkt

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten stellte dann einen entscheidenden Einschnitt in der Geschichte des Nürnberger Hopfenhandels dar. Etwa 40% aller Handelshäuser, unter ihnen viele der ältesten und bedeutendsten, waren 1930 in jüdischem Besitz (120 in absoluten Zahlen). Diese Firmen mussten im Dritten Reich verkauft oder aufgelöst werden, ihre Inhaber und Familien wurden von den Nationalsozialisten ins Exil getrieben, viele wurden ermordet. Das erzwungene Ende der jüdischen Hopfenfirmen markierte einen schweren Einschnitt für den Nürnberger Hopfenmarkt. Denn dieser Verlust an Fachwissen, kaufmännischer Intelligenz und weitreichenden Handelskontakten konnte auch nach Kriegsende nicht mehr wettgemacht werden.

Johannes Scharrer

Markant ist auch die Lebensgeschichte des ehemaligen Zweiten Bürgermeisters der Stadt Nürnberg, Johannes Scharrer (1785-1844). Neben seiner langjährigen Tätigkeit als Hopfenhändler trat er auch als einer der Initiatoren der ersten Eisenbahnverbindung 1835 von Nürnberg nach Fürth auf und gilt zudem als Begründer der bayerischen Sparkassenidee. Heute ist in Nürnberg ein Gymnasium nach ihm benannt.

1809 gründete Johannes Scharrer gemeinsam mit seinem Schwager Siegmund Amberger zunächst einen Großhandel für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Zu dieser Zeit gab es nur einen weiteren Hopfenhändler in Nürnberg. Nach dem Tod des Schwagers stieg Scharrer 1817 ganz groß in den Hopfenhandel ein. Nach seinem Tod 1844 übernahmen die Söhne Eduard und August die Firma.

Friedrich Wagner: Portrait Johannes Scharrer, 1844. Bildnachweis: Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg

Johannes Scharrer war Kaufmann und Kommunalpolitiker, geboren 1785 in Hersbruck. Als Magistrat und zweiter Bürgermeister arbeitete er an ehrgeizigen Vorhaben wie zum Beispiel der Gründung der Stadtsparkasse, der Gründung der polytechnischen Schule und eines städtischen Krankenhauses, wurde aber bald wieder abgewählt. Durch seine Mitwirkung bei der Reform des Volksschulwesens machte er sich ebenso einen Namen, und durch die Restaurierung von mittelalterlichen Bau- und Kunstwerken erlangte er große Anerkennung bei den Bürgern. Trotz seiner gescheiterten Karriere als Kommunalpolitiker hatte er großen Einfluss auf die Entwicklung eines modernen Nürnbergs. Ganz wichtig war seine Mitwirkung bei der ersten Eisenbahngesellschaft für die Vorbereitungen im Projekt „erste deutsche Eisenbahn“ 1835.

Grundlage für all diese Aktivitäten war der große finanzielle Erfolg Johannes Scharrers, den er in jungen Jahren im Hopfenhandel erzielte. Bereits im ersten Jahr als Hopfenhändler verkaufte Scharrer innerhalb von knapp 3 Monaten 5289 Zentner Hopfen im Wert von über 3000 Gulden nach Frankfurt, Gent und London. Damals lag im Hopfenhandel ein ungeheures finanzielles Potential. Die Firma, die er damals betrieb, bestand bis zum Jahr 2000 unter dem Namen „Hopunion“, bis sie mit der Firma Barth fusionierte.

Wie sieht es mit dem Hopfenhandel heutzutage aus?

Schon im ersten Weltkrieg erlitten die Nürnberger Hopfenhändler heftige Rückschläge, insbesondere im Handel mit Großbritannien und den USA. Mit der Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben verloren die rund 120 jüdischen Hopfenhändler in Nürnberg 1939 die Grundlage für ihre Tätigkeit. Auch dies verursachte einen Bedeutungsverlust Nürnbergs im Welthandel.

Dennoch liegt der Hopfenhandelsplatz Nürnberg immer noch auf Platz eins in der Welt: Im Jahre 1794 gründete Johann Barth gemeinsam mit seinem Sohn Georg ein auf den Hopfenhandel spezialisiertes Unternehmen. 1859 zog es nach Nürnberg um, dem Zentrum des „Grünen Goldes“. Dort stand es 1895 im Wettbewerb mit weiteren 363 Händlern, es überlebte zwei Weltkriege und die Nazi-Diktatur. Seit 1997 konnte es sich durch die Übernahme des US-amerikanischen Hopfenhändlers John I. Haas international sehr stark etablieren. Aus dieser Fusion entstand die BarthHaas GmbH & Co. KG. Durch einen im Jahr 2000 vollzogenen Zusammenschluss mit der einst von Johannes Scharrer gegründeten „Hopunion und Raiser“ konnte sich BarthHaas zum weltweit führenden Hopfenhändler entwickeln. Mit Sitz in Nürnberg-Mögeldorf hält das Unternehmen heute im weltweiten Hopfenhandel einen Marktanteil von rund 30 Prozent.

Wer übrigens kein Bier mag, kann auch Hopfentee genießen. Auch für die Pharmaindustrie ist diese Pflanze interessant. Nicht nur, weil Hopfen sich als Beruhigungs- und Schlafmittel bewährt oder Magenbeschwerden lindert, sondern auch in der Krebsforschung ist der Hopfen in den Fokus der Wissenschaft gerückt. Hier wird intensiv geforscht.


Im ersten Teil erfahren Sie, wieso die unscheinbare Pflanze gerade in Franken einen derartigen Boom erlebt hat.
Hopfenhandel – Weltmarktführer Nürnberg. Fränkischer Hopfen in aller Munde

Im zweiten Teil erfahren Sie, welche Bedeutung die Erlaubnis zum Schwefeln des Hopfens hatte.
Hopfenhandel – Gelbes Gift und Grünes Gold

Einen Beitrag über den Nürnberger Hopfenhändler Adolf Schwarz kann man im Blog der Stadtarchive in der Metropolregion Nürnberg lesen
Adolf Schwarz (1856 – 1926), Hopfenhändler, Stifter, Vereinsfunktionär


Quellen:

Literaturnachweis:
Gerhard Jochem: Hopfen? Handeln! (Themenheft #1 der Reihe n-lite), Nürnberg 2019

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