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31 / 8 / 2020

Die Kehrseite der Fortuna

Wenn einem das Glück die vier Buchstaben zeigt...

Die COVID-19-Pandemie traf auch die Museen hart: Ab dem 16. März 2020 mussten die städtischen Museen ihre Türen rund zwei Monate lang für Besucherinnen und Besucher schließen.
In dieser Unglückszeit begegnete uns die „Kehrseite des Glücks“ jedoch in einer ganz unerwarteten, gar erfreulichen Weise:

Während der Vorbereitungen für die Sonderausstellung „Der weite Blick. Nürnberger Panoramen aus sieben Jahrhunderten“ sollte das Fembo-Haus zum Ausgangspunkt für einen ganz neuen fotografischen Panorama-Blick werden. Über den knarrenden Dachboden hin zur Dachluke führte uns der Weg nach oben zu einem atemberaubenden Blick auf die Stadt, den der Fotograf Tim Hufnagl für die Sonderausstellung ablichten wollte.

Vom Dachboden des Fembo-Hauses kommt man nur über eine Leiter zur Dachluke. Foto: Tim Hufnagl

Und dann? Schauten wir dem Glück wortwörtlich auf die vier Buchstaben.

Den Giebel des Fembo-Hauses bekrönt eine bronzene Skulptur der Fortuna – also der Personifikation des Glücks oder Schicksals –, deren Rückansicht dem Betrachter nach dem Öffnen der Dachluke als erstes in den Blick gerät.

Warum gerade eine Skulptur der Fortuna auf dem Fembo-Haus?

Die Fortuna auf dem Dach des Fembo-Hauses.

Die Bronzeskulptur ließ 1596 der erste Besitzer des Hauses, Philipp van Oyrl, auf den Giebel des Gebäudes setzen. Er war zugleich Bauherr des zwischen 1591 und 1596 errichteten Hauses, das heute den Namen des späteren Eigentümers Georg Christoph Franz Fembo trägt. Van Oyrl war Tuchhändler und als Glaubensflüchtling aus den Niederlanden nach Nürnberg gekommen.

Dass ein Kaufmann sich zu dem Motiv der auf einer Kugel balancierenden Fortuna entschloss, war kein Zufall. Ende des 15. und während des 16. Jahrhunderts erfreute sich Fortuna als Glücksgöttin gerade bei Kaufleuten großer Beliebtheit, die ihre Waren oft auf dem Seeweg transportierten. Mit dem Segeltuch in der Hand steht Fortuna symbolisch für die unberechenbaren Winde auf hoher See. Der Balanceakt auf der Kugel spielt auf den Zufall an. Ein guter Kaufmann manövriert sein Schiff jedoch trotz unverhofft aufkommender Stürme sicher in den Hafen. Er ergreift mit weiser Umsicht die Chancen, die ihm Fortuna bietet.

Man kann sagen: Er ist seines Glückes Schmied.

Aegidius Sadeler, nach Christoph Schwarz: Occasio, Kupferstich, 1580-1600. Bildnachweis: Rijksmuseum, Amsterdam

„Jeder ist seines Glückes Schmied“ – dieses Motto hat sich eine ganz ähnliche Figur wie jene des Fembo-Hauses buchstäblich auf die Fahne geschrieben. Sie steht im Zentrum eines Kupferstichs, der wenige Jahre zuvor in München entstanden war. Zusammen mit zwei weiteren Sinnbildern beschreibt sie, wie die richtige Nutzung der Gelegenheit (occasio) zum Lohn (praemium) führen kann. Herausgegeben und damit weit über München hinaus verbreitet hat den Druck aller Wahrscheinlichkeit nach Joris Hoefnagel – ein weiterer niederländischer Kaufmann, den die Glaubenskriege in seiner Heimat dauerhaft in die Fremde verschlagen hatten.

Neue Blicke auf Nürnberg!

Panoramafoto vom Dach des Fembo-Hauses.

Klicken Sie in das Bild und sehen sich das Panorama vom Dach des Fembo-Hauses an!

Den Blick aus der Dachluke des Fembo-Hauses war in der Sonderausstellung „Der weite Blick“ auf einem Großbildschirm zu sehen. Darüber hinaus bot die Ausstellung viele weitere – teils noch nie gezeigte – Nürnberg-Ansichten aus den Depots der Kunstsammlungen der Stadt Nürnberg und garantierte spannende neue Blicke auf Nürnberg aus sieben Jahrhunderten. Aus konservatorischen Gründen konnte sie leider nicht verlängert werden. Deshalb ist eine verkleinerte Version der Ausstellung jetzt online bei Google Arts & Culture zu sehen.

Ausstellung „Nürnberger Panoramen aus sieben Jahrhunderten“
Informationen zum Fotografen Tim Hufnagl

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