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11 / 2 / 2021

Behind the Scenes – Nuremberg ’34

Ein Serious Game für das Dokuzentrum

Serious Games – das sind Computerspiele, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Bildung und Informationen spielerisch zu vermitteln. Seit einigen Jahren nimmt die Bedeutung dieser Spiele immer mehr zu. Im Zuge der Neukonzeption seiner Dauerausstellung befasst sich nun auch das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände mit dem Thema:
„Behind the Scenes – Nuremberg ’34“ heißt ein Serious Game, das derzeit in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kooperationspartnerinnen und -partnern und gefördert durch die Stiftung „Erinnerung, Verantwortung, Zukunft“ entsteht.
Weitere Informationen zum Projekt

Worum geht’s?

Im Zentrum der Handlung steht der Reichsparteitag 1934. Die Spielerinnen und Spieler folgen sogenannten In-Game-Characters und erfahren dabei das Massenereignis aus individuellen Blickwinkeln.
An verschiedenen Stellen in der Handlung kommt es zu Begegnungen zwischen den Charakteren, und man hat die Möglichkeit zum Perspektivwechsel – zur Auswahl stehen zum Beispiel ein Politischer Leiter und dessen Gattin aus Baden-Württemberg, ein SA-Mann aus Oberschlesien, ein überzeugter Kommunist oder ein jüdischer Junge aus Nürnberg. Diese Figuren bringen ihre ganz eigene Sichtweise auf den Reichsparteitag und den Nationalsozialismus ein, die sich teilweise drastisch von jener der anderen Hauptfiguren unterscheiden.

Emil Fuhrmann, der Sohn eines Kommunisten, sieht sich gemeinsam mit seiner Großmutter den SA und SS Aufmarsch an.

Der Clou dabei: Die Erfahrungen und Aussagen der einzelnen Protagonisten basieren auf authentischen Zeitzeugenberichten und Dokumenten, sind also historisch verbrieft. Ergänzend treten im Spiel außerdem viele historische Persönlichkeiten auf, zum Beispiel der amerikanische Journalist William L. Shirer, der Arbeiterdichter Karl Bröger oder Leni Riefenstahls Chefkameramann Sepp Allgeier. So entsteht ein umfassendes Abbild der damaligen Gesellschaft, das die Spielerinnen und Spieler immer wieder zum Nachdenken anregt und ihnen durch die interaktive Auseinandersetzung mit dem „Schönen Schein“ des Medienereignisses „Reichsparteitag“ anschaulich die Wirkungsweisen und Gefahren der nationalsozialistischen Propaganda vor Augen führt.

Neben den einzelnen Handlungssträngen haben die Spielerinnen und Spieler zudem über sogenannte „Ding-Geschichten“ Zugriff auf originale Tondokumente, Filmclips, Zeitungsausschnitte und spannende Hintergrundinformationen.

Die jüdische Familie Schlosser wird vorgestellt.

Und wer macht das?

Ein solch ehrgeiziges Projekt kann das Dokumentationszentrum natürlich nicht alleine stemmen. Hinter „Behind the Scenes – Nuremberg ’34“ steht mit dem jungen Nürnberger Studio Zockrates Laboratories ein passioniertes Entwicklerteam rund um den Spiele-Freak und Medienpädagogen Patrick Ruckdeschel – ein ausgewiesener Experte auf dem Gebiet der Serious Games. Stilistisch und erzählerisch wird sich das Spiel an der Ästhetik der Graphic Novel orientieren. Auch hierfür hat man sich prominente Unterstützung mit ins Boot geholt: Um die Artworks kümmert sich der Berliner Comic-Zeichner Hamed Eshrat.
Informationen zum Studio Zockrates Laboratories
Informationen zum Comic-Zeichner Hamed Eshrat

Der aus dem Iran stammende Künstler erlangte in Deutschland erstmals 2016 mit seiner Graphic Novel „Venustransit“ größere Bekanntheit. Und auch die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus ist kein Neuland für Eshrat: 2018 veröffentlichte er in Zusammenarbeit mit Texter Jochen Voit die Graphic Novel „Nieder mit Hitler! Oder warum Karl kein Radfahrer sein wollte“, die auf den Erinnerungen des Widerstandskämpfers Karl Metzner beruht. Beide Werke fanden sowohl bei der Kritik als auch beim Publikum großen Anklang.

Der jüdische Junge Fred Schlosser begegnet zufällig dem SA-Mann Hugo Koch auf der Kaiserburg.

Und wann gibt’s das?

Derzeit ist geplant, bis Ende Januar 2022 eine erste Anwenderversion zu veröffentlichen. In Form einer Medienstation soll das digitale Lernformat anschließend in das mediale Angebot der neuen Interimsausstellung des Dokumentationszentrums Reichsparteitagsgelände integriert werden und als Pilotprojekt den Weg bereiten für zukünftige pädagogisch-didaktische Angebote des Hauses.

Der Museenblog wird die Entwicklung von „Behind the Scenes – Nuremberg ’34“ auf jeden Fall weiterhin begleiten und in Zukunft auch die beteiligten Künstler und Entwickler zu Wort kommen lassen. Seien Sie gespannt!

Ein Interview mit Patrick Ruckdeschel, der an der Entwicklung des Serious Games beteiligt ist
Bloß kein pädagogischer Zeigefinger!


Alle Bilder sind Screenshots aus „Behind the Scenes – Nuremberg ’34“. Bildnachweis: Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, Zeichnungen: Hamed Eshrat, 2021

Ein Kommentar zu “Behind the Scenes – Nuremberg ’34

  • Ingrid Bierer
    15 / 3 / 2021 | 13:44

    Das sieht ja super aus, großartige Idee

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