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1 / 7 / 2020

Gold, Gold, Gold!

Der Goldschmied Wenzel Jamnitzer

1508 wurde in Wien der wohl bedeutendste Goldschmied des 16. Jahrhunderts geboren: Wenzel Jamnitzer. Die Voraussetzungen für seine spätere Laufbahn wurden ihm praktisch mit in die Wiege gelegt, betrieb die aus Böhmen stammende Familie Jamnitzer das Goldschmiedehandwerk doch bereits seit mehreren Generationen. Im Laufe der Zeit hatte man sich einen hervorragenden Leumund und weitreichende Geschäftsbeziehungen bis hinauf in die höchsten gesellschaftlichen Kreise erarbeitet – der Name Jamnitzer war ein Qualitätssiegel, von dem der junge Wenzel nur profitieren konnte.

Wenzel Jamnitzer: Doppelscheuer, 1564. Foto: Uwe Niklas

Wege zum Ruhm

Über Wenzel Jamnitzers Lehr- und Wanderjahre gibt es, ebenso wie über seine Ausbildung, die vermutlich in der väterlichen Werkstatt erfolgte, praktisch keine gesicherten Informationen. Auch die Frage, wie und wann es den jungen Wenzel schließlich nach Nürnberg verschlagen hat, bleibt ungewiss. Gesichert ist lediglich, dass Jamnitzer im Jahre 1534 (a) das Nürnberger Bürgerrecht erwarb, (b) eine gewisse Anna Rauchin, Tochter des Goldschmieds Bruno Rauch, ehelichte, und (c) seine Meisterprüfung als Goldschmied ablegte – alles, wohlgemerkt, im Zeitraum von drei Monaten. Außerdem kaufte er im selben Jahr noch ein Haus in der Zitzelsgasse (heute: Albrecht-Dürer-Straße), das er bis zu seinem Tod bewohnen sollte.

Bereits wenige Jahre später zählte Jamnitzer zu den angesehensten Goldschmieden Nürnbergs. Der Grund hierfür war nicht nur sein handwerkliches Können, sondern auch sein Bestreben, Arbeitsprozesse immer weiter zu verfeinern und zu verbessern. Vor allen Dingen zwei seiner diesbezüglichen Entwicklungen sollten prägend werden für seinen Stil: Zum einen entwarf Jamnitzer eine Maschine, mit der Ornamente so gepresst werden konnten, dass sie den Eindruck erweckten, getrieben (also: mit der Hand herausgearbeitet) worden zu sein. Zum anderen eignete er sich eine ganz besondere Technik an, die es ihm erlaubte, Silber mit ungeheurer Präzision zu gießen.

Friedrich Wilhelm Wanderer: Berühmte Männer aus Nürnbergs großer Vergangenheit – Die Nürnberger Kunsthandwerker um Wenzel Jamnitzer, Entwurf zum Gemälde für den Kleinen Nürnberger Rathaussaal, aquarellierte Pinselzeichnung, um 1895. Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen

Kunst für den Kaiser

Jamnitzers künstlerisches Geschick war bald schon weit über die Stadtgrenzen hinaus gefragt. Gleich vier aufeinander folgende Kaiser des Heiligen Römischen Reichs – Karl V., Ferdinand I., Maximilian II. und Rudolf II. – ernannten ihn zum Hofgoldschmied. Erfreulicher Nebeneffekt: Die blaublütigen Habsburger erwiesen sich naturgemäß als einträgliche Einnahmequelle. Kaiser Maximilian II. zum Beispiel war den Goldschmiedearbeiten Jamnitzers regelrecht verfallen und stand bei ihm zeitweise mit weit über 2.000 Gulden in der Kreide.

Für Maximilian II. entstand dann auch eines der bedeutendsten Werke Wenzel Jamnitzers: der sogenannte Prager Lustbrunnen, ein etwa 3 Meter hoher Tafelaufsatz in Form einer Krone. Das imposante Werk hat die Jahrhunderte leider nicht überdauert, anders als etwa der ebenfalls zu kaiserlichen Ehren erschaffene und wegen seiner Kunstfertigkeit nicht minder beeindruckende Merkelsche Tafelaufsatz, der heute im Amsterdamer Rijksmuseum und als Kopie auf der Nürnberger Kaiserburg zu bewundern ist.

Adolf von Mayrhofer/ Eduard Wollenweber: Nachbildung des so genannten Merkelschen Tafelaufsatzes von Wenzel Jamnitzer, Goldschmiedearbeit, 1894–1896. Bildnachweis: Museen der Stadt Nürnberg, Kunstsammlungen

Auf der Website der Kunstsammlungen können Sie sich dieses Meisterwerk ganz genau ansehen

Volle Auftragsbücher

Neben den kaiserlichen Großbestellungen arbeitete Jamnitzer außerdem im Auftrag unzähliger weltlicher und geistlicher Fürsten, von Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen bis hin zu Kardinal Antoine Perrenot de Granvelle, Bischof von Arras und Politiker unter König Philipp II. von Spanien. Tische, Spiegel, Zeremonialschwerter, Pokale, Service, Sattelbögen, Prunkkassetten – der Kunde bestellte und Jamnitzer lieferte, stets zur vollumfänglichen Zufriedenheit seiner betuchten Auftraggeber.

Selbstredend mussten bei all dieser adligen Prominenz auch die Familien des Nürnberger Patriziats einen echten Jamnitzer in der Schatzkammer haben. Egal, ob die Imhoff, Pfinzing, Behaim oder Tucher, keiner von ihnen wollte (und konnte!) auf die repräsentative Wirkung eines Jamnitzers verzichten. Eines der herausragendsten Beispiele ist hier zweifelsohne das achtteilige Tuchersche Tafelservice, das Jamnitzer zusammen mit dem französischen Email-Maler Pierre Reymond für Linhart II. Tucher erschuf, und das heute im Museum Tucherschloss ausgestellt ist.

Wenzel Jamnitzer und Pierre Reymond: Weinkanne des so genannten Tucherschen Tafelservice, Kupfer getrieben, emailliert, Silber gegossen, feuervergoldet, 1562. Leihgabe der Tucherschen Kulturstiftung im Museum Tucherschloss und Hirsvogelsaal. Foto: Uwe Niklas

Das Ende

In seinen späteren Schaffensjahren wandte sich Jamnitzer zunehmend der Wissenschaft und der Kunsttheorie zu. So verfasste er etwa Schriften zur Perspektive und konstruierte astronomische und mathematische Instrumente wie Globen, Kompasse und Astrolabien. Für den Fortbestand der Jamnitzer’schen Goldschmiededynastie hatten er und seine Frau Anna da bereits bestens gesorgt: drei seiner sechs Söhne wurden ebenfalls zu Goldschmieden, und drei seiner fünf Töchter heirateten Goldschmiede. Zum Zeitpunkt seines Todes, am 15. Dezember 1585, war Jamnitzer einer der angesehensten und wohlhabendsten Bürger Nürnbergs. Beigesetzt wurde er auf dem Johannisfriedhof, unweit des Grabes von Albrecht Dürer.

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