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26 / 1 / 2017

Eisenbahn-Liebe verbindet

Hilfe aus England zur Restaurierung der Omaha-Bahn

„So eine Anlage würde ich mir gerne bei uns auf dem Dachboden einrichten!“ ruft Neil Trump begeistert seiner Frau zu, als er zum ersten Mal die Omaha-Bahn im Nürnberger Spielzeugmuseum sieht. Er gibt zu, dass das nicht ganz ernst gemeint ist, aber der spontane Ausruf zeigt, wie sehr er die Anlage in Nürnberg bewundert. Jedoch plant er für die Zeit seiner Pensionierung in ein paar Jahren tatsächlich den Ausbau des Dachbodens für eine Eisenbahnanlage. Im Moment sind die meisten seiner 190 American Flyer Lokomotiven und 140 Waggons in Schachteln verstaut. Diese führt er öfter bei Modelleisenbahnausstellungen vor.

Die Modellbahnanlage "Omaha" umfasst ca. 30 qm. Foto: Uwe Niklas

Die Modellbahnanlage „Omaha“ umfasst ca. 30 qm. Foto: Uwe Niklas

Freude fürs Leben: American Flyer Modelleisenbahn

Doch wie kam Neil Trump, der weder mit dem amerikanischen Präsidenten verwandt ist noch aus Amerika stammt, nach Nürnberg? Seit dem Alter von sechs Jahren spielt der Engländer mit Eisenbahnen. Sein Vater unterstützte ihn dabei. Da seine ersten Eisenbahnen nicht von allerbester Qualität waren und durch das intensive Spielen sehr schnell kaputt gingen, suchte sein Vater nach einer haltbareren Alternative. Zufällig fand er einen Sammler, der seine American Flyer Modelleisenbahn verkaufen wollte, und erwarb sie für seinen Sohn. Seither sammelt Neil Trump Züge dieser amerikanischen Marke.

Leidenschaft verbindet Sammler weltweit

Seine Sammelleidenschaft lässt ihn bis heute nicht los. Er sagt, die Faszination daran habe etwas mit dem Jagdinstinkt zu tun und es sei eine große Freude, ein bestimmtes Modell ausfindig zu machen und dann zu ergattern. Spaß macht es ihm aber auch, die Züge zu restaurieren und wieder zum Laufen zu bringen. Irgendwann nahm er Kontakt mit amerikanischen Eisenbahnsammlern auf und tauschte sich mit ihnen in Internetforen aus. Immer wieder hörte er von diesen Kollegen, dass es in Nürnberg eine Bahn mit American Flyer-Zügen gibt, die schon seit ihrer Entstehung in den 50er Jahren mit denselben Motoren läuft und nicht mehr optimal funktioniert. Da es für ihn von England nicht so weit nach Nürnberg ist wie für seine Kollegen aus Amerika, nahm er Kontakt mit dem Spielzeugmuseum auf und bot an, nach Nürnberg zu kommen, die Motoren auszutauschen und seine Erfahrung zur Verfügung zu stellen, die er bereits mit den eigenen Zügen gesammelt hatte.

Neil Trump zusammen mit den beiden Betreuern Ulrich Friedhoff und Ingo Dittrich (von rechts nach links). Foto: Uwe Niklas

Neil Trump zusammen mit den beiden Betreuern Ulrich Friedhoff und Ingo Dittrich (von rechts nach links). Foto: Uwe Niklas

Neil Trump aus England macht Urlaub im Spielzeugmuseum

Er informierte sich bei den ehrenamtlichen Betreuern der Bahn, Ulrich Friedhoff und Ingo Dittrich, im Voraus telefonisch über die Bahn. Dann beschloss er, seinen Urlaub dieses Jahr in Deutschland zu verbringen und dabei als Gast des Spielzeugmuseums drei Urlaubstage in Nürnberg der Omaha-Bahn zu widmen. Er brachte einen kleinen Koffer voller Ersatzteile wie Motoren, Beilagscheiben, Schräubchen et cetera aus seinem eigenen Fundus mit. Die Ersatzmotoren mussten so bearbeitet werden, dass sie in die Loks passten, hier war jede Menge Improvisationstalent sowie die Fähigkeit zu feinmotorischem Arbeiten gefragt. Zum Glück besitzen Neil Trump, Ulrich Friedhoff und Ingo Dittrich diese Eigenschaften. Sie tüftelten stundenlang, um die Motoren in die vorhandenen Lokomotiven einzupassen und diese wieder neu anzuschließen. Die Verständigung auf Englisch klappte wunderbar, die deutschen Eisenbahntüftler lernten schnell die benötigten englischen Fachbegriffe und Neil Trump verstand die beiden sehr gut.

Das Innere des Stellwerk-Bedienpultes. Foto: Brigitte List

Das Innere des Stellwerk-Bedienpultes. Foto: Brigitte List

Ein voller Erfolg: Gemeinsamer Motoren-Tausch

Der Besucher aus England war voll des Lobes für die beiden Betreuer der Omaha Bahn und hob speziell die gute Vorarbeit von Ulrich Friedhoff hervor, der sich seit 2007 intensiv um die Eisenbahnen im Museum kümmert. Das Spielzeugmuseum kann sich glücklich schätzen, diesen Experten zu haben, der ehrenamtlich die Bahnen wartet und in Schuss hält. Dank Ulrich Friedhoffs hervorragender Vorarbeit konnten von ihm in Zusammenarbeit mit Neil Trump zwölf Lokomotiven erneuert und teils mit neuen stromsparenden Motoren versehen werden. Neil Trump selbst konnte weiterhin zwei besonders komplizierte Erneuerungsfälle von Lokomotiven bewerkstelligen. Durch die mitgebrachten Ersatzteile verliefen die Reparaturen erfolgreich, obwohl einige bestellte Ersatzteile nicht zur Verfügung standen. Ulrich Friedhoff hat durch die Zusammenarbeit mit Neil Trump viele Dinge der Omaha Anlage vorarbeiten können, so dass er jetzt selbstständig weiter restaurieren kann. Die drei Tage der englisch-deutschen Zusammenarbeit waren also ein voller Erfolg.

Einzigartig in Europa – Bahn der Spurweite S im Spielzeugmuseum

Die jetzt neu restaurierte Bahn, die in den 1950er Jahren von Dr. Wolfram Bismarck komplett aus Resten zusammengebastelt worden war und eine Besonderheit darstellt, weil sie als einzige öffentlich zugängliche Modelleisenbahn der Spurweite S einzigartig in Europa ist, wird jeden letzten Samstag im Monat im Museum vorgeführt. Besonders erstaunlich ist, wie detailgetreu Dr. Bismarck den Bahnhof von Omaha nachgebaut hat, obwohl er nie in den USA war und das Original nie gesehen hat. Die Omaha-Bahn ist typisch für die selbstgebauten Notspielzeuge der Nachkriegszeit und als solches das größte Exemplar dieser Art im Museum.

Dr. Wolfram Bismarck, Initiator des Projekts, hat zusammen mit seinen Helfern von 1950 bis 1974 an der Anlage gebaut.

Dr. Wolfram Bismarck, Initiator des Projekts, hat zusammen mit seinen Helfern von 1950 bis 1974 an der Anlage gebaut.

Ein Nürnberger Spezialfall: Die Spur S der Firma Bub

Die Frage, warum Dr. Bismarck diese außergewöhnliche Spurbreite wählte, beschäftigte auch die drei Restaurateure. Neil Trump erzählte von seinem Verdacht, dass das mit der Nürnberger Spielwarenfabrik Bub zusammenhängt. In den 1920er und 1930er Jahren war die Firma ein angesehener Hersteller von hochwertigem Blechspielzeug und Spielzeugeisenbahnen. Während des 2. Weltkrieges wurde die Firma völlig zerstört. Nach 1945 wurde sie neu aufgebaut und die Firma versuchte, an die früheren Erfolge anzuknüpfen. Angelehnt an die Spur S-Bahnen der USA – vor allem Gilbert/American Flyer – plante Heinz Huck, Inhaber und Erbe der Firma Bub, seine Spur S-Blecheisenbahn auch für den Verkauf an die Besatzungssoldaten, war damit aber nicht besonders erfolgreich.

1948 kam Heinz Huck dann mit einem ganz neuen Programm von elektrischen und federbetriebenen Spielzeugeisenbahnen heraus – in Spur S = 22,5 mm. Jedoch war die Bahn nicht kompatibel mit den amerikanischen Erzeugnissen. Grund hierfür war in erster Linie eine Differenz in der Spurbreite bei gleicher Benennung. Die Bub-Bahn läuft auf 22,5 mm-Schienen, die amerikanische ist circa 2 mm schmaler. Zu diesem Unterschied kam es wahrscheinlich durch einen Fehler beim Umrechnen der amerikanischen Inches in deutsche Zentimeter. Aus diesem Grund können die American Flyer-Loks und -Wagen nur sehr schlecht auf dem Bub-Schienenmaterial fahren, und die Räder der Omaha Bahn mussten mühsam an die Spurbreite angepasst werden.

Annette Sand ist Schriftführerin des Fördervereins des Spielzeugmuseums Nürnberg.

Informationen zu den Vorführungen Omaha-Bahn

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