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8 / 6 / 2016

Krakauer Glück

oder: Was macht der Lajkonik in Nürnberg?

Das Pferd kam in einem großen Koffer, zerlegt in zwei Teile. Kein echtes, versteht sich, sondern eines aus Holz, zum Umschnallen, mit einem riesigen weißen Federbusch auf dem Kopf. Ein Streitkolben war auch mit dabei. Und Weste und Hose, Mantel, ein Hut, rote Stiefel und ein falscher Bart – kein Kostüm, das etwas auf sich hält, ist komplett ohne einen falschen Bart. Die Sachen waren schnell zusammengeschraubt und angelegt; und ehe ich mich versah, tanzte ich schon als Lajkonik über den Nürnberger Hauptmarkt.

Sieg der Krakauer über die Mongolen

Der Lajkonik ist eine Gestalt der Krakauer Folklore. Als die Stadt im dreizehnten Jahrhundert von mongolischen Reiterhorden angegriffen wurde, zogen die Krakauer nach der gewonnen Schlacht in den Kleidern des erschlagenen Khans siegestrunken durch die Straßen. So zumindest die Legende. Mit der Zeit wurde eine feste Tradition daraus. Ein Reiter in stilisierter mongolischer Tracht springt und tanzt durch Krakau und bringt all jenen Glück, die er auf seinem Weg mit dem Streitkolben berührt. Heute, siebenhundert Jahre später, ist der Umzug des Lajkonik längst ein touristisches und kulturelles Aushängeschild der Stadt.

Ein Reiter mit Dackelrudel – geht das?

Als Nürnbergs Partnerstadt Krakau vor drei Jahren zu Gast war beim Grenzenlos-Festival im Tucherschloss, war der Auftritt des Lajkonik natürlich Pflicht. Aus Polen angereist kam dann zwar das Originalkostüm, für den passenden Darsteller musste man allerdings selber sorgen. Die Wahl fiel auf mich. Und weil so ein Lajkonik in Nürnberg naturgemäß nicht gerade die Massen anzieht, kam man auf die Idee, mir noch ein paar Helfer zur Seite zu stellen. Ein ganzes Rudel von Helfern, um genau zu sein – man verband den Auftritt des Lajkonik nämlich kurzerhand mit einer anderen Krakauer Tradition: der Dackelparade.

Dackelparade vom Hauptmarkt zum Tucherschloss. Bildnachweis: Hermann Wallenstaedter

Dackelparade vom Hauptmarkt zum Tucherschloss. Bildnachweis: Hermann Wallenstaedter

Glück aus dem Streitkolben und – ein Preis für die Vierbeiner

In der sengenden Sommerhitze fanden wir uns auf dem Nürnberger Hauptmarkt ein, die Dackel, ihre Besitzer und ich. Mit meinem Streitkolben verteilte ich das Glück, posierte für unzählige Schnappschüsse und erklärte überraschten polnischen Touristen, wieso sich der Lajkonik plötzlich nach Nürnberg verirrt hatte. Anschließend ging es an der Frauenkirche vorbei Richtung Egidienplatz (man stelle sich die verwunderten Autofahrer vor, die plötzlich eine Hundemeute über die Straße hetzen sehen) und Tucherschloss, wo die Dackel einer Fachjury präsentiert und prämiert wurden. Nach knapp vier Stunden war das Glück in meinem Streitkolben dann schließlich erschöpft und meine kurze Karriere als Lajkonik auch schon wieder beendet.

Geschafft! Zwei Teilnehmer der Dackelparade kühlen sich im Wassergraben des Renaissancegartens ab. Bildnachweis: Hermann Wallenstaedter

Geschafft! Zwei Teilnehmer der Dackelparade kühlen sich im Wassergraben des Renaissancegartens ab. Bildnachweis: Hermann Wallenstaedter

Festival „Grenzenlos. Nürnberg trifft Prag“

Beim diesjährigen Grenzenlos-Fest ist Prag zu Gast, das mit Nürnberg seit 1990 eine Städtepartnerschaft pflegt. Passend zur Bayerisch-Tschechischen Landesausstellung, die dem 700. Geburtstag von Kaiser Karl IV. gewidmet ist, wird man sich für die Präsentation der „Goldenen Stadt“ sicherlich auch die ein oder andere Überraschung einfallen lassen. Vielleicht gibt’s ja dann im Tucherschloss einen Pan-Tau-Wettbewerb? Oder einen Kafka-Marathon? Oder kommt gar Kaiser Karl IV. höchstselbst? Man darf gespannt sein …

Informationen zum diesjährigen Fest der Partnerstädte „grenzenlos: Nürnberg trifft Prag“

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